Bundeskongresses Nationale Stadtentwicklungspolitik
Wie kann eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung in Zeiten knapper werdender Flächen und finanzieller Ressourcen gelingen?
„Städte und Kommunen werden in den nächsten Jahren mit noch weniger Personal und finanziellen Mitteln mehr Aufgaben lösen müssen. Das erfordert strategisches Denken – Out of the Box“, so Prof. Dr. Uwe Scheidewind, Oberbürgermeister a. D. der Stadt Wuppertal in seiner Keynote im Rahmen des 19. Bundeskongresses Nationale Stadtentwicklungspolitik in Köln-Mülheim am 15. September.
Auch das Fachforum „Aktive Liegenschaftspolitik für die Bestands- und Innenentwicklung – Potenziale und Herausforderungen im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis“ stieß auf großes Interesse. Das Forum bot Raum für einen intensiven fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Kommunen und Immobilienwirtschaft. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom vhw (Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.) gemeinsam mit den Partnern des Forschungsprojekts „UBoPlus – Ulmer Bodenpolitik Plus“.
Im Mittelpunkt standen Fragen, wie Städte und Gemeinden auch unter den Bedingungen knapper Flächenressourcen, und kommunaler Haushalte sowie wachsender Klimaanforderungen eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung umsetzen können.
Sowohl die wissenschaftlichen Impulse von Fabian Rohland vom vhw e. V. und Colin Beyer von Questiuo Marktforschung, Sandra Wassermann von der Universität Stuttgart als auch die praktischen Erfahrungen von Ann-Kathrin Ludwig von der Stadt Ulm verdeutlichten, welche Chancen bodenpolitische Instrumente und innovative Instrumentenmixe für die Innenentwicklung und Wohnraumschaffung bieten.
So zeigte ein Beispiel aus Potsdam, dass im Rahmen von Zwischenerwerbsmodellen zur Schaffung von Wohnraum die Bodenpreise gedämpft werden müssten. „Ulm zeichne sich schon jetzt durch deutlich niedrigere Bodenpreise aus“, so Ann-Kathrin Ludwig, „das sei Teil des Kerns der Ulmer Bodenpolitik.
Einen wichtigen Praxisbezug aus der immobilienwirtschaftlichen Perspektive brachte das Gespräch mit Martin Dornieden von der DORNIEDEN Gruppe und dem BFW Nordrhein-Westfalen. „Wir legen Wert auf eine nachhaltige Quartiersentwicklung, dazu gehöre auch der Bau von Mehrfamilienhäusern. Allerdings entspräche die reine Innenentwicklung in Städten derzeit nicht der Realität“, so Dornrieden.
Besonders interessant war für uns das Podiumsgespräch „Boden gut machen – Chancen und Zielkonflikte einer gemeinwohlorientierten Liegenschaftspolitik“. Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Ulm, Stadt Kiel und Stadt Freiburg im Breisgau diskutierten unterschiedliche kommunale Strategien und Erfahrungen. Die anschließende Beteiligung des Publikums zeigte, wie groß das Interesse an praktikablen Lösungen für die Innenentwicklung und den Umgang mit knappen Flächenressourcen ist.
Aus Sicht der kommunalen Praxis wurde deutlich, dass die Herausforderungen bei der Schaffung von Wohnraum, der Anpassung bestehender Quartiere und dem nachhaltigen Umgang mit Flächen nur im engen Zusammenwirken von Kommunen, Wissenschaft und privaten Akteuren bewältigt werden können. Das Fachforum hat hierfür wertvolle Impulse geliefert und wichtige Perspektiven zusammengeführt.
