Das Projekt
Hintergrund: Worum geht es?
Viele Städte stehen derzeit vor der Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Klassische Neubaustrategien stoßen zunehmend an Grenzen – aufgrund steigender Baukosten, knapper Flächen, wachsender Klimaschutzanforderungen und des Bedarfs an Klimaresilienz. Gleichzeitig werden viele vorhandene Gebäude und Flächen wenig effizient genutzt.
Eine innovative Bodenpolitik soll hier helfen, Wohnraum insbesondere im Bestand zu schaffen. Die Stadt Ulm bringt dafür als langjährige Vorreiterin in starker kommunaler Bodenpolitik ideale Voraussetzungen mit.
Zentrale Frage ist: Wie können bestehende bodenpolitische Instrumente mit neuen Ansätzen der Innenentwicklung kombiniert werden, um bezahlbaren und ressourcenschonenden Wohnraum im Bestand zu schaffen?

„Ulm setzt seit über 130 Jahren – unabhängig von wechselnden politischen Mehrheiten – auf eine vorausschauende Bodenpolitik: Wir kaufen kontinuierlich strategisch wichtige Grundstücke für die nachhaltige Entwicklung unserer Stadt und schützen sie vor Bodenspekulation.“
Tanja Oelmaier, Stadt Ulm, Abteilungsleitung Liegenschaften und Wirtschaftsförderung

Abb.: Säulengrafik nach T. Oelmaier (2023), „Die Ulmer Bodenpolitik – mehr als ein strategisches Liegenschaftsmanagementsystem“
Ziele: Was wollen wir?
UBoPlus will zeigen, wie innovative Bodenpolitik zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums im Bestand beitragen kann – ohne zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen. Ziel ist es, wirksame Instrumentenmixe zu entwickeln und zu erproben, die auch über Ulm hinaus anwendbar sind. Leitend sind drei Forschungsfragen:
- Welche Akteurskonstellationen und Governance-Strukturen fördern eine wirkungsvolle Bodenpolitik?
- Welche Instrumentenkombinationen helfen, soziale, ökologische und ökonomische Ziele zugleich zu erreichen?
- Wie lassen sich Wirkungen bodenpolitischer Instrumente messen?
Im Ergebnis entstehen neue Konzepte zur Aktivierung von Beständen, zur zivilgesellschaftlichen Mitgestaltung und zur strategischen Weiterentwicklung kommunaler Bodenpolitik. Diese sollen langfristig auch in anderen Städten genutzt werden können.
Ansatz: Wie gehen wir vor?
Das Projekt setzt auf ein transdisziplinäres Transformationscluster mit Ulm als Modellstadt. Ein eigens entwickeltes Wirkungsmodell bewertet die sozialen, ökologischen und ökonomischen Effekte bereits implementierter bodenpolitischer Instrumente und künftiger Instrumente der Innenentwicklung. In Politikanalysen und Planspielen werden verschiedene Instrumentenmixe simuliert und bewertet. Mindestens zwei Stadtquartiere werden identifiziert, in denen neue Instrumentenkombinationen in Reallaboren praktisch erprobt werden.
Hierbei arbeiten die Ulmer Stadtverwaltung, die Universität Stuttgart, die TU Dortmund und der Wissenschaftsladen Bonn e.V. eng zusammen. Zudem erfolgt ein intensiver Austausch mit den Reflexionskommunen Aachen, Freiburg und Leipzig. Der Wissenstransfer auf andere Kommunen – u.a. über den Deutschen Städtetag, den vhw Bundesverband Wohnen und Stadtentwicklung e.V. sowie den Kreis Lippe als Vertreter ländlicher Kommunen – ist zentraler Bestandteil des Konzepts.

Verbundpartner
ZIRIUS Zentrum für interdisziplinäre Risiko-und Innovationsforschung
ZIRIUS ist ein fakultätsübergreifendes Forschungszentrum der Universität Stuttgart Hier arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Betriebswirtschaft sowie einzelnen Ingenieurwissenschaften an Forschungsvorhaben im Themenfeld von Wissenschaft, Technik und demokratischer Gestaltung in einer nachhaltigen Gesellschaft. Im CIB-Lab des ZIRIUS wird die Methode der Cross-Impact Bilanz Analyse weiterentwickelt und angewendet.
ZIRIUS koordiniert das Projekt UBoPlus, analysiert Akteurs- und Konfliktkonstellationen, entwickelt innovative Policy-Mixe und Szenarien der Ulmer Bodenpolitik bis zum Jahr 2050, und designt Planspiele, in denen eine weiterentwickelte Ulmer Bodenpolitik ausprobiert werden kann.

Wissenschaftsladen Bonn e. V.
Der Wissenschaftsladen (WILA) Bonn e. V. setzt sich seit über 40 Jahren für einen nachhaltigen Wandel ein und bringt Menschen aus Wissenschaft, Kommunen, Unternehmen, Bildung sowie aus der Zivilgesellschaft zusammen.
Ein zentrales Schwerpunktthema ist die nachhaltige Stadtentwicklung, bei der gemeinsam mit Beteiligten und Betroffenen praxisnahe Lösungen für zukunftsfähige urbane Lebensräume erarbeitet werden.
Im Projekt UboPlus verantwortet der WILA das Beteiligungskonzept und begleitet die Stadt Ulm und Forschungspartner bei den Beteiligungs- und Transferprozessen – u. a. durch Wissenschaftskommunikation sowie Workshops und Online-Austauschformate.

Ulm
Ulm ist eine dynamisch wachsende Stadt an der Donau. Sie zeichnet sich durch eine vielfältige Wirtschafts- und Wissenschaftslandschaft sowie durch das aktive Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger aus. Ulm gilt mit ihrer seit über 130 Jahren betriebenen aktiven Bodenvorratspolitik als Vorreiterin in Deutschland.
Angesichts steigender Bau- und Bodenpreise, wachsender Flächennachfrage und den Anforderungen an die Klimaneutralität soll die Ulmer Bodenpolitik nun weiterentwickelt werden. Im Forschungsprojekt übernimmt die Stadt die Rolle der Modellkommune. Sie bringt ihre Erfahrung ein, identifiziert geeignete Quartiere und erprobt dort mit den Projektpartnern neue Instrumente in Reallaboren.

Technische Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung, Fachgebiet Stadtentwicklung
Das Fachgebiet Stadtentwicklung an der TU Dortmund befasst sich mit der Urbanisierung und Stadtentwicklung in Ländern des globalen Nordens. In Forschung und Lehre werden die Prozesse der Stadt- und Regionalentwicklung, ihre demographischen und sozioökonomischen Triebkräfte sowie ihre raum- und siedlungsstrukturellen Ausprägungen und Wirkungen untersucht. Dazu gehören die komplexen und ineinandergreifenden Dynamiken der Flächennutzung, der Infrastruktursysteme und der Mobilität.
Forschungsvorhaben des Fachgebietes thematisieren zudem die Funktionsweise und Wirksamkeit transformativer und gemeinwohlorientierter Planung in kommunalen und stadtregionalen Handlungsarenen. In UBoPlus ist das Fachgebiet Stadtentwicklung für die Analyse bodenpolitischer Instrumente sowie die Bewertung der Wirksamkeit ihres Einsatzes in der Stadtentwicklung Ulms zuständig.

Reflexionskommunen
Aachen
Karl der Große und das UNESCO-Welterbe Aachener Dom treffen exzellente Wissenschaft: In Aachen ist Geschichte erlebbar – und wird Zukunft geschrieben.
Hier arbeiten Ingenieurwissenschaften, Start Ups und Unternehmen gemeinsam an wegweisenden Lösungen. Die entspannte Nachbarschaft zu Belgien und den Niederlanden liefert dazu das perfekte Umfeld. Sie macht Aachen zum europäischen Mikrokosmos. Mit mehr als 260.000 Einwohner*innen aus 160 Nationen, weltoffenen jungen Menschen, großstädtischen Angeboten und angenehm kurzen Wegen. Man sieht sich!

Leipzig
Leipzig ist seit den frühen 2000er Jahren von starkem Wachstum geprägt und heute eine der am schnellsten wachsenden Großstädte Deutschlands. Ein Zuwachs von gut 152.000 Einwohnern auf aktuell über 632.000 Leipzigerinnen und Leipziger innerhalb von 25 Jahren verdeutlicht die enorme Dynamik und die damit verbundenen Herausforderungen für Stadtentwicklung und Liegenschaftsmanagement.
Die Herausforderung besteht darin, Leipzig sozial, ökologisch, wirtschaftlich und gleichzeitig lebenswert weiterzuentwickeln. Vorausschauende und gut vernetzte bodenpolitische Steuerung ist dabei der Schlüssel, um das Wachstum auch weiterhin gezielt zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger zu gestalten.
Der interdisziplinäre Austausch mit Wissenschaft und anderen Kommunen im Projekt UBoPlus ist dabei ein hilfreiches Format, in welches sich die Stadt Leipzig als Reflexionskommune mit ihren eigenen, individuellen Erfahrungswerten sehr gern aktiv einbringt.

Freiburg
In Freiburg im Breisgau als Schwarmstadt herrscht seit vielen Jahren eine große Nachfrage nach Wohnraum. Diesem Bedarf begegnet Freiburg mit umfangreichen Maßnahmen, wie unter anderem dem Bau eines neuen Stadtteils mit 6.900 Wohnungen. Bei der Schaffung von Wohnraum liegt der Fokus insbesondere auf bezahlbarem und familiengerechtem Wohnungsbau.
Um angesichts zunehmender Flächenknappheit, steigender Bodenpreise und Baukosten die Wohnraumbedarfe zukünftig befriedigen zu können und handlungsfähig zu bleiben, möchte die Stadt Freiburg ihre bodenpolitischen Strategien weiterentwickeln und den Fokus auf ihre aktive Liegenschaftspolitik weiter verstärken. Im Forschungsprojekt übernimmt Freiburg dabei die Rolle als Reflexionskommune.

Assoziierter Partner
Der Deutsche Städtetag unterstützt das Transformationscluster UBoPlus.
Assoziierte Partner
vhw
„Aus Sicht des vhw ist die Handlungsfähigkeit der Kommunen beim Umgang mit Grund und Boden der Schlüssel für eine sozialverträgliche und nachhaltige Wohnraumversorgung und Stadtentwicklung. Flächenknappheit, hohe Bodenpreise, Nutzungskonkurrenzen, angespannte kommunale Haushalte und der Fachkräftemangel erschweren es ihnen jedoch zunehmend, öffentliche Ziele im Zuge ihrer Boden- und Liegenschaftspolitik zu verfolgen. Es ist daher notwendig, das bestehende Planungsrecht sowie das boden- und liegenschaftspolitische Instrumentarium auf den Prüfstand zu stellen.
Und genau hier setzt das Vorhaben UBoPlus an. Als Wissensakteur an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis freuen wir uns, als assoziierter Partner eine kritisch reflektierende Perspektive zu diesem Projekt beizutragen mit dem Ziel, eine im öffentlichen Interesse stehende Stadtentwicklung zu fördern.“

Lippe zirkulär
„In sieben Jahren hat Lippe zirkulär Prozesse für ein neues kreislaufgerechtes Denken und Wirtschaften initiiert und begleitet. Die Kernsäulen sind die Themen zirkuläre Bildung, zirkuläres kommunales Bauen sowie der Aufbau transparenter und vielschichtiger Netzwerke mit transformativen Allianzen“, so Birgit Essling, Leitung der Geschäftsstelle Lippe zirkulär.
Das Projekt RE-BUILD-OWL folgte beispielsweise dem Leitbild „Sparsamer Flächenverbrauch durch Sanierung von Bestandsbauten sowie Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Der Kreis Lippe entwickelte hierfür eine digitale Innovations- und Transferplattform, die das zirkuläre Bauen in der Region und darüber hinaus stärken soll.
Im Jahr 2025 hat Lippe Zirkulär für das geleistete Engagement den Circularity Champion Award 2025 des F.A.Z-Instituts in der Sonderkategorie „Regionales Engagement“ gewonnen.
